KUCHENGUERILLA

IMG_3541

Der Kaffeeklatsch ist eine zu Unrecht verlachte gesellschaftliche Institution. Doch das Kaffeetrinken und Kuchenessen so etwas wie der kleinste gemeinsame Etikette-Nenner einer Gesellschaft und ein Relikt des Müßiggangs. Das RADAR.INSTITUT macht daher den Kaffeeklatsch wieder salonfähig. Es rehabilitiert diese scheinbar überholte und irgendwie auch sehr deutsche Kommunikationsform als Grundpraxis des Erzählens und unternimmt verschiedene Experimente, sie im Rahmen eines Rechercheverfahrens anzuwenden. Denn im gemeinsamen Verzehr von Backwaren vermitteln sich regionale Traditionen, Familiengeheimnisse, gemeinsame Erinnerungen. Der zeremonielle Vorgang, gar rituelle Charakter stiftet eine Kleinst-Gemeinschaft und formt mehr oder weniger subtil das scheinbar nebensächliche Gespräch.

Mit Kieler Rentnern wird zum Thema Kaffeeklatsch als Gesprächspraxis gearbeitet. Gemeinsam werden klassische und unkonventionelle Module des Kaffeeklatsches perfomativ erarbeitet. Über die gemeinsame Analyse des Rituals und kleine persönliche Anekdoten und Erinnerungen entsteht ein kurzweiliges und mobiles Kaffeeklatsch-Guerilla-Programm, mit dem verschiedene Kieler Institutionen „geentert“ werden. Jeweils zwei Guerillas erscheinen unvorhergesehen im Büro oder Flur einer städtischen Behörde, im Fahrstuhl eines Großkonzerns oder auch im Reisezentrum der Deutschen Bahn, ausgestattet mit der Kaffeeklatsch-Grundausstattung: Kaffee, Kuchen und ein Pop-up-Kaffeetisch. Die Mission der Kuchenguerilla ist es, sich für den Erhalt und die Kultivierung des Kaffeeklatsches einzusetzen: als Prinzip der Entschleunigung, des gemeinschaftlichen Innehaltens, des nicht immer zielgerichteten Plauschens und der Stressreduktion. Wie unterhalten sich Menschen, die unter veränderten zeit-ökonomischen Faktoren leben? Hat sich die Art und Weise ihres Erzählens mit zunehmendem Alter verändert? Was erzählen sie überhaupt gern? Und vor allem wem?


CREW Christina Flick, Janette Mickan, Kristin Päckert MIT Barbara Asmus, Inge Beck, Inga Hamann, Heidemarie Florinski, Renate Jacobs, Elsa & Jürgen Noetzel, Christel Rimek

LAUFZEIT Februar – Juni 2014